Aktuelle Programme

 

Unverdrossen planen wir weiter: unser Programm für 2022 ist am Werden. Bitte geben Sie uns Bescheid, wenn sie den Flyer möchten; wir stellen ihn gerne zu.

Warum die Nachtigall so schön singt
Aus der stillen Hütte klang das Lied Marias. Sie sang das Jesuskind in den Schlaf. Sie sang ihm von den Engeln und vom Himmel, von Gott dem Vater, von der Schönheit der Welt und vom kommenden Frühling. Sie erzählte ihm von der Liebe und vom Leid. Wie leiser Glockenklang kam es von ihren Lippen, und immer sanfter und stiller wurde die Weise, bis das Kind eingeschlafen war.
Doch eines Tages kamen die Töne nur mühsam und gebrochen aus Marias Kehle. Sie hatte sich in den langen Nächten heiser gesungen, ihre Kehle war wund und krank. Es gelang ihr nicht, dem Kind den Schlaf zu bringen, so viel sie sich auch Mühe geben mochte und sacht die Krippe schaukelte, wie es die Mütter seitdem mit allen Kinderwiegen machen.
Da sang es plötzlich aus der Ecke nieder, wo unterm Hüttendach die Balken zusammenstiessen. Ein kleiner Vogel sass dort oben, der hatte Maria heimlich all die schönen Lieder abgelauscht, mit denen sie das Kind in den Schlaf wiegte. Nun flatterte das Vöglein nieder, setzte sich auf die Schulter Marias und begann zu singen und zu jubeln, so schön, so fein, dass man es gar nicht sagen kann. Und rasch und sacht waren dem Kind die Augen zugefallen, als hätte es die Mutter in den Schlaf gesungen.
Jetzt schwieg der Vogel, legte seinen kleinen Schnabel hinter das rosige Ohr der Maria, wie wenn er ihr einen feinen Kuss geben wollte und machte er sich auf, um fortzufliegen. Da streichelte Maria dem Vogel über das braunseidige Gefieder: „Kleines Vogelherz!“, flüsterte sie, „von nun an sollst du meine Stimme in dir tragen, alle meine Lieder wissen und sie nie vergessen. Damit du den Menschen von Leid und Freud singen kannst und von der Sehnsucht nach Glück und Frieden. Glockenschlag und Silberklang soll in deiner kleinen Kehle wohnen, Jubel und Jauchzen, Schmelz und Triller. Und nun flieg dahin und sing!“
Und seit dieser Stunde singt die Nachtigall mit der göttlichen Stimme Marias. Abends, wenn die Zeit kommt, wo man die Kinder in den Schlummer wiegt, sitzt sie im Gebüsch und jubiliert, lacht und weint. Dann fallen den kleinen Kindern die müden Augen zu, den grossen Kindern kommen die schönsten Gedanken und die verliebten Leute küssen sich, wenn sie die Lieder des Marienvogels hören. Dann fliessen die Wasser stiller, die Vögel und die Tiere lauschen in die Nacht, und sogar die Bäume hören auf zu flüstern. Und alle, alle wiegt das Vogellied in Schlaf und Traum.
Ein Märchen aus Malta

http://www.zuerchermaerlilueuet.com